Matthäus GUNDELACH

 

Matthaeus Gundelach Amor Venuns for sale S. Bohm Fine Art 

 

MATTHÄUS GUNDELACH

(um 1566 Großalmerode/Kassel – 1654 Augsburg)

" Venus und Cupido"

 

Öl auf Buchenholztafel

24.7 x 15.6 cm

Unten links monogrammiert und datiert: M.G.F. (…) 1610

Verso alte Inventarnummer in Tinte: N°20

 

 

Preis auf Anfrage

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GUNDELACH ist bereits 1593 in Prag nachweisbar, wo er unter nachhaltigen Einfluß von Bartholomäus Spranger und Joseph Heintz d.Ä. geriet. 1609 wurde er zum Kammermaler Kaiser Rudolfs II. als Nachfolger des Joseph Heintz ernannt und heiratete auch dessen Witwe Regina Gretzinger, Tochter eines Augsburger Silberhändlers. Unter Kaiser Mathias siedelte er um 1615 nach Augsburg über, das Bürgerrecht hatte er durch die Heirat erhalten, wo er 1617 in die Malerzunft aufgenommen wurde und somit den größten Teil seines künstlerischen Wirkens vollbrachte. 

 

Beim vorliegenden Gemälde handelt es sich vermutlich um das im Inventar der Prager Schatz- und Kunstkammer von 1621 aufgeführte Werk „Venus mit Cupid“ [Bender Nr. GC5 / DaCosta Kaufmann 1985, S. 224]. Durch die Datierung 1610 nimmt das wiederentdeckte Bild eine besondere Stellung ein, da es das einzige erhaltene Gemälde Gundelachs als unabhängiger Meister aus seiner Zeit als Kammermaler Rudolfs II. ist. 

Wir danken Thomas DaCosta Kauffmann für seinen Hinweis auf das Frontispiz der Pharmacopoeia Augustana, gestochen 1640 von Wolfgang Kilian nach einer Zeichnung Gundelachs. Die zentrale Allegorie der Natur, zeigt, flankiert von Pharmazie und Alchimie, einen vergleichbaren Ausdruck, die Blumen im Füllhorn ähneln in der Ausführung dem Bukett des vorliegenden Gemäldes. [Hollstein, vol.17, Nr.878]

In der Behandlung des Amorknaben des vorliegenden Werkes lässt sich noch deutlich der Einfluss von Heintz d.Ä. erkennen.

Gundelachs „Mystische Verlobung der Hl. Katharina“ (Kupfer 40 x 31 cm, Sign. m.u.: Gondolach F 1614, KHM Wien (Inv.Nr. GG 1103) [EB GA3] zeigt im Gesicht der Kaiserin Anna einen im Ausdruck ähnlichen Frauentypus, ebenfalls mit Perlenkette. Die Ausführung des gelben Gewandes der Hl. Katharina sowie der rote Umhang des Kaiser Matthias sind im Duktus vergleichbar. 

Das Monogramm des vorliegenden Gemäldes MGF in Versalien ist in dieser Form bis jetzt auf keinem anderen Gemälde Gundelachs nachweisbar. Im schmalen erhaltenen Oeuvre findet sich generell keine einheitliche Form der Signatur. Bender führt für frühe Werke sowohl das getrennte, wie auch ein ligiertes Monogramm an [EB, S.26 f]. 

Im direkten Vergleich mit der stehenden Fortuna in Gundelachs Bergbau-Allegorie (Öl/Leinwand 133 x 86 cm, Dortmund, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Inv.Nr. C5188) [EB GA6] ist die markante Fingerstellung der linken Hand bemerkenswert. Die in der Literatur unterschiedliche Datierung auf 1612 (Bender) bzw. 1615-1625 (Jürgen Zimmer) lässt sich im Hinblick auf die neu entdeckte datierte Tafel möglicherweise genauer definieren. 

Dank an Jürgen Zimmer für die Bestätigung der Autorschaft Gundelachs nach Untersuchung des Gemäldes im Original.

 

 

Literatur:

„Inventarium aller derjenigen sachen, so nach der victori in ihrer mayestät schaz- und kunstcamer zue praag seind gefunden und aus ihrer mayestät und ihrer fürstlich gnaden von Lichtenstein“ Nr.958, [Heinrich Zimmermann, „Das Inventar der Prager Schatz- und Kunstkammer vom 6.Dezember 1621 nach den Akten des kuk. Reichsfinanzrchiv“ in: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses 25, Bd. 2 (1905), p.p. XIII-XXV.]

Elisabeth Bender, „Matthäus Gundelach: Leben und Werk“ Dissertation, Frankfurt am Main 1981, S.209, nr. GC5 (verschollene Gemälde)

Thomas DaCosta Kaufmann, The School of Prague. Painting at the Court of Rudolf II, Chicago and London, 1988

Jürgen Schultze (Hrsg.): Prag um 1600. Kunst und Kultur am Hofe Rudolfs II., Freren 1988, S. 231 ff. +349 ff.

Pharmacopoeia Augustana … Locupleta Recusa, Augsburg 1646 - Frontispiz gestochen von Wolfgang Kilian (1581-1662) nach Zeichnung von Matthäus Gundelach, [F.W. Hollstein, German engravings, etchings, and woodcuts, Amsterdam 1954-, vol.17, n.878/878A]

AKL - Allgemeines Künstler Lexikon, Saur Verlag, München/Leipzig 2009, Bd. 65, S.498ff., Beitrag von Jürgen Zimmer mit Werkverzeichnis und weiterführender Literatur.